Staunton-Figuren sind der weltweite Standard im Schach. Von der Vereinspartie bis zur Weltmeisterschaft — überall stehen dieselben Figurenformen auf dem Brett. Aber Staunton ist nicht gleich Staunton: Die Qualitätsunterschiede sind enorm.
Dieser Artikel erklärt, worauf es ankommt und welches Set zu welchem Spieler passt.
Was Staunton-Figuren ausmacht
Das Staunton-Design wurde 1849 von Nathaniel Cook entworfen und nach dem damals berühmten Spieler Howard Staunton benannt. Die Merkmale:
- König: Kreuz an der Spitze, deutlich höchste Figur
- Dame: Krone ohne Kreuz
- Läufer: Mitra-förmige Kopfform
- Springer: Pferdekopf
- Turm: Zinnenmuster
- Bauer: Runde Kugel
Diese Formen sind seit über 170 Jahren unverändert — weil sie funktionieren. Jede Figur ist sofort erkennbar, auch für Einsteiger.
Warum Staunton Standard ist
Die FIDE schreibt Staunton-Figuren für offizielle Turniere vor. Gründe:
- Eindeutigkeit: Jede Figur ist auf den ersten Blick identifizierbar
- Tradition: Über 170 Jahre bewährt
- Kompatibilität: Alle Spieler weltweit kennen diese Formen
- Proportionen: Feldgröße und Figurenhöhe sind aufeinander abgestimmt
Wer im Verein spielt oder Turniere besucht, sollte von Anfang an mit Staunton-Figuren trainieren. Das erleichtert den Übergang zu Turnierschachsets.
Qualitätsstufen
Einsteigerklasse (15–40 €)
- Kunststoff oder einfaches Holz
- Leicht, ohne Gewichtung
- Für Kinder, Schule und Gelegenheitsspieler
- Funktional, aber ohne haptischen Genuss
Mittelklasse (40–100 €)
- Buchsbaumholz oder gewichtetes Kunststoff
- Filzunterseite, angenehmes Gewicht
- Für Vereinsspieler und ambitionierte Hobbyspieler
- Beste Preis-Leistung für ernsthaftes Spiel
Premiumklasse (100–300+ €)
- Ebenholz, Sheesham, Rosenholz
- Handgeschnitzte Details, starke Gewichtung
- Für Sammler und lebenslange Nutzung
- Signifikant besseres Spielgefühl
Ob sich Premium lohnt, hängt vom Spielertyp ab. Unser Artikel Budget vs. Premium hilft bei der Entscheidung.
Größen verstehen
Staunton-Figuren kommen in standardisierten Größen:
| Bezeichnung | Königshöhe | Feldgröße | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Nr. 3 | ca. 6,5 cm | 30 mm | Reise, Kinder |
| Nr. 4 | ca. 7,8 cm | 40 mm | Freizeit, Zuhause |
| Nr. 5 | ca. 8,8 cm | 45 mm | Verein, Training |
| Nr. 6 | ca. 9,5 cm | 50–55 mm | Turnier (FIDE) |
Die richtige Feldgröße zum Brett ist entscheidend: Die Basis des Königs sollte etwa 78 % der Feldgröße betragen. Mehr dazu in unserem Artikel Brett und Figuren abstimmen.
Materialvergleich
| Material | Haptik | Gewicht | Haltbarkeit | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Kunststoff | Neutral | Leicht | Sehr hoch | Günstig |
| Buche/Ahorn | Warm | Mittel | Hoch | Mittel |
| Buchsbaum | Edel | Schwer | Sehr hoch | Hoch |
| Ebenholz | Premium | Schwer | Sehr hoch | Sehr hoch |
Mehr zum Materialvergleich im Artikel Holzfiguren vs. Kunststofffiguren.
Staunton vs. andere Figurenstile
Neben Staunton gibt es dekorative Figurenstile: Ritter, historische Figuren, thematische Sets. Diese sind für Deko geeignet, aber nicht für ernsthaftes Spiel.
Warum:
- Figuren sind schwer unterscheidbar
- Proportionen passen nicht zu Standard-Brettern
- Andere Spieler kennen die Formen nicht
- Im Verein und Turnier nicht erlaubt
Wer Schach ernsthaft spielen will, kommt an Staunton nicht vorbei. Für die Vitrine tun es auch andere Formen.
Das Wichtigste
- Staunton ist der Standard — für Verein, Turnier und Training
- Mittelklasse (40–100 €) bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis
- Größe Nr. 5 oder 6 für ernsthaftes Spiel
- Holz schlägt Kunststoff im Spielgefühl, aber Kunststoff hält länger
- Brett und Figuren müssen zusammenpassen — Feldgröße prüfen

